Agile Begriffe tauchen schnell in Besprechungen auf. Ob sie die Arbeit verbessern, entscheidet sich erst daran, ob alle Beteiligten dasselbe unter Sprint, Backlog oder WIP-Limit verstehen. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe knapp, grenzt typische Verwechslungen ab und zeigt, welche Entscheidung jeweils dahintersteht.
Was agile Methoden sind und was der Begriff nicht verspricht
Agile Methoden organisieren Arbeit in kurzen Rückkopplungsschleifen. Ergebnisse werden früh sichtbar, geprüft und neu priorisiert. Das Agile Manifest von 2001 formuliert dafür vier Werte und zwölf Prinzipien.[1] Es verspricht jedoch nicht, dass jedes Vorhaben schneller wird.
Der entscheidende Unterschied liegt im Umgang mit Unsicherheit. Ein Team plant nur so weit voraus, wie die Lage es erlaubt, liefert einen prüfbaren Zwischenstand und nutzt das Feedback für den nächsten Schritt. Agil beschreibt die Art der Rückkopplung, nicht das Arbeitstempo.
Wie Sie dieses Glossar nutzen
Jeder Eintrag beantwortet drei Fragen: Was bedeutet der Begriff, womit wird er häufig verwechselt und welche praktische Entscheidung steckt darin? Diese Reihenfolge macht aus einer Wörterliste eine Arbeitshilfe.
- Definition: Was bezeichnet der Begriff im jeweiligen Rahmenwerk?
- Verwechslung: Welcher ähnlich klingende Gedanke führt in die Irre?
- Arbeitsnutzen: Welche Festlegung wird dadurch klarer?
Scrum-Begriffe: Verantwortungen, Ereignisse und Artefakte
Scrum ist ein Rahmenwerk mit definierten Verantwortungen, Ereignissen und Artefakten.[2] Die Begriffe lassen sich deshalb nicht beliebig umdeuten. Wer sie als neue Namen für alte Zuständigkeiten verwendet, übernimmt das Vokabular, aber noch nicht die Arbeitsweise.
| Begriff | Kurz erklärt | Typische Verwechslung |
|---|---|---|
Scrum | Rahmenwerk für komplexe Arbeit in kurzen Lernzyklen | Projektplan mit neuen Bezeichnungen |
Sprint | fester Zeitraum, in dem ein nutzbares Ergebnis entsteht | beliebige Arbeitsphase ohne festes Ziel |
Product Owner | verantwortet Wert und Reihenfolge des Product Backlogs | klassische Projektleitung oder Teamvorgesetzte |
Scrum Master | unterstützt die wirksame Anwendung von Scrum | disziplinarische Führung oder Terminverwaltung |
Developers | erstellen in jedem Sprint ein nutzbares Increment | nachgelagerte Ausführungseinheit |
Product Backlog | geordnete Liste dessen, was das Produkt braucht | unveränderliches Lastenheft |
Sprint Backlog | Sprint-Ziel, ausgewählte Arbeit und Lieferplan | persönlicher Aufgabenzettel |
Increment | nutzbares, überprüfbares Ergebnis eines Sprints | Zwischenbericht ohne nutzbaren Stand |
Daily Scrum. Das tägliche Ereignis dient den Developers dazu, den Fortschritt zum Sprint-Ziel zu prüfen und den Plan anzupassen. Es ist kein Statusbericht an die Führung.
Sprint Review. Das Scrum Team und relevante Stakeholder prüfen das Ergebnis und die veränderte Lage. Das Review dient der gemeinsamen Anpassung und nicht einer Präsentation um ihrer selbst willen.
Sprint Retrospektive. Das Team untersucht die eigene Zusammenarbeit und vereinbart Verbesserungen. Im Mittelpunkt steht die Arbeitsweise; das Produktergebnis wurde bereits im Review betrachtet.
Definition of Done. Diese gemeinsame Beschreibung legt fest, wann ein Increment die nötige Qualität besitzt. Ohne sie kann „fertig“ für Entwicklung, Vertrieb und Geschäftsführung jeweils etwas anderes bedeuten.[2]
Wer den gesamten Rahmen einordnen möchte und nicht nur einzelne Begriffe, findet im Beitrag Scrum als agiles Framework Rollen, Ereignisse und Artefakte im Zusammenhang.
Begriffe verstanden, Arbeitsweise noch offen?
Wir ordnen mit Ihnen ein, welches Vorgehen zu Ihrem Engpass passt und welche Festlegung zuerst nötig ist.
Strategiegespräch vereinbarenKanban- und Lean-Begriffe: Fluss statt Sprint-Takt
Kanban macht den Arbeitsfluss nachvollziehbar und begrenzt parallele Arbeit. Der Kanban Guide nennt unter anderem die Definition und Visualisierung des Workflows sowie die aktive Steuerung laufender Arbeit.[3] Kanban kommt ohne Sprints und ohne die Scrum-Verantwortungen aus.
Kanban Board. Das Board visualisiert Zustände eines Arbeitsflusses. Die Spalten sind kein Selbstzweck; sie müssen zeigen, wo Arbeit wartet, fortschreitet oder blockiert ist.
WIP-Limit. „Work in Progress“ bezeichnet begonnene, noch nicht abgeschlossene Arbeit. Ein WIP-Limit begrenzt diese Menge. Hat ein Team sechs offene Vorgänge, aber ein Limit von drei, darf es keinen vierten beginnen, bevor einer der drei fertig ist.
Flow. Flow beschreibt, wie Arbeit durch das System läuft. Relevant sind Unterbrechungen und Wartezeiten im Ablauf; die Zahl bewegter Karten sagt darüber nichts.
Pull-Prinzip. Neue Arbeit wird erst aufgenommen, wenn Kapazität frei ist. Das unterscheidet Pull von einer Steuerung, die Aufgaben ungeachtet der aktuellen Auslastung in das Team drückt.
Lean. Lean richtet Arbeit auf Wert, Fluss und die Verringerung unnötigen Aufwands aus. Kanban kann Lean-Prinzipien praktisch unterstützen, ist aber nicht mit Lean gleichzusetzen.
MVP. Ein Minimum Viable Product ist die kleinste Produktfassung, mit der sich eine relevante Annahme prüfen lässt. „Viable“ bedeutet nutzbar; ein unfertiger Prototyp ohne echte Lernfrage ist nicht automatisch ein MVP.
| Frage | Scrum | Kanban |
|---|---|---|
Arbeitsrhythmus | feste Sprints | kontinuierlicher Fluss |
Rollen | definierte Accountabilities | keine vorgeschriebenen Rollen |
Begrenzung | Sprint-Umfang | explizite WIP-Limits |
Änderung | Lernen am Sprint und laufend im Backlog | Aufnahme neuer Arbeit bei freier Kapazität |
Welche Begriffe verändern Ihre Arbeit?
Ein agiler Begriff ist erst dann nützlich, wenn er eine beobachtbare Arbeitsentscheidung verändert. WIP-Limit, Definition of Done und Sprint-Länge tun das, weil sie im Alltag Grenzen setzen. Begriffe wie Increment oder Flow können dagegen bloße Etiketten bleiben, wenn niemand sein Verhalten daran ausrichtet.
Nehmen Sie die Definition of Done. Schreibt ein Team „getestet“ hinein, kann es am Freitagnachmittag eine ungetestete Funktion nicht als fertig melden. Die Regel kostet im Grenzfall Zeit, schafft aber eine gemeinsame Qualitätsgrenze. Genau an solchen Folgen erkennt man, ob die Methode arbeitet oder nur die Sprache gewechselt hat.
Für die Methodenwahl hilft der Überblick Agile Methoden im KMU. Wie ein kurzes tägliches Abstimmungsformat funktioniert, zeigt der Beitrag zum Daily Scrum.
Welche Arbeitsweise passt zu Ihrem Team?
Wir übersetzen den aktuellen Engpass in eine eindeutige Methodenentscheidung, ohne unnötige Rollen oder Rituale einzuführen.
Strategiegespräch vereinbarenHäufige Fragen
Ist Scrum eine agile Methode?
Scrum ist genauer ein Rahmenwerk für komplexe Arbeit. Es arbeitet empirisch und iterativ und wird deshalb den agilen Arbeitsweisen zugeordnet.
Ist Kanban dasselbe wie Scrum?
Nein. Scrum arbeitet mit festen Sprints und definierten Verantwortungen. Kanban steuert einen kontinuierlichen Arbeitsfluss und begrenzt parallele Arbeit über WIP-Limits.
Was ist der Unterschied zwischen Product Backlog und Sprint Backlog?
Der Product Backlog ordnet die mögliche Produktarbeit. Der Sprint Backlog enthält das Sprint-Ziel, die dafür ausgewählten Einträge und den Lieferplan der Developers.
Muss ein kleines Unternehmen alle agilen Begriffe übernehmen?
Nein. Übernehmen Sie nur Begriffe, die eine konkrete Verantwortung, Grenze oder Rückkopplung klären. Neue Wörter ohne veränderte Entscheidung schaffen keinen Nutzen.
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